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Tor und Tod (Hugo von Hofmannsthal)
Aufführung im Pfarreizentrum, Wil am 3. April und am Karfreitag 9. April 1971
Hugo von Hofmannsthal, ein literarisches "Wunderkind" von kaum fassbarer Frühreife, war einer der letzten
grossen Zeugen der künstlerischen und geistigen Kultur Altösterreichs. Dem Naturalismus stellte er eine
Kunst der hochgezüchteten Form und sprachlichen Erlesenheit gegenüber, mit der er eine zunächst im rein
Ästhetischen umgrenzte Erlebniswelt voll subtiler, müder und spielerischer Reize, verborgen hinter vielen
Pseudonymen, abbildete.
"Die meisten jagt eine irre, wechselvolle und ihrer selbst überdrüssige Oberflächlichkeit ohne festes Ziel von
Plan zu Plan; manche entschliessen sich überhaupt zu keinem Lebensplan, sondern werden inmitten ihrer
Schlaffheit und ihres Schwankens vom Tode ereilt."
Seneca
Auszug aus dem Stückbeschrieb des seinerzeitigen Prospekts:
Claudio, ein junger Edelmann, ist der Typus des überkultivierten Menschen, der das Leben nur noch als äs-
thetisches Schauspiel zu fassen vermag. Sein ganzes Lebensgefühl ist eigentlich nichts anderes als Todes-
nähe, seine Stimmung (die er in einem langen Monolog ausspricht) Hingabe an die Todesahnung. Sein Diener
meldet ihm sichtlich verwirrt, dass sich eine kleine Schar seltsam gekleideter Leute im Garten eingefunden
habe, die aussähen als ob sie alten Kupfern entstiegen seien. Zugleich ertönt eine ungreifbare und geheim-
nisvoll anziehende Musik, zu der der Tod erscheint ....
